Kontinuität als Trumpf
48:10 Punkte, satte neun Zähler Vorsprung vor dem Tabellenzweiten – die „Lurchis“ aus Kornwestheim sind verdienter Meister. Für die seit Wochen dezimierte HSG Konstanz zum Abschluss einer von Verletzungen und Enttäuschungen geprägten Saison noch einmal ein Duell unter gegensätzlichen Vorzeichen. „Kornwestheim will sich vor dem eigenen Publikum noch einmal von der besten Seite zeigen, einen klaren Sieg und dann groß feiern“, erklärt Ralf Bader. Wer ihn kennt, weiß, dass er dabei nicht nur Spalier stehen möchte. Obwohl er zum Kornwestheimer Erfolgstrainer Dr. Alexander Schurr eine besondere Verbindung hat und die Arbeit, die in Kornwestheim trotz kleiner Mittel betrieben wird, in höchstem Maße schätzt. In Tübingen studierten sie zur selben Zeit und absolvierten gemeinsam die A-Lizenz. Vor allem die bemerkenswerte Kontinuität in Kornwestheim hebt Bader hervor. Seit Jahren besteht das Trainerteam und die Mannschaft fast in der identischen Zusammensetzung. Auch nach dieser Saison wird kein einziger Salamander den Club verlassen.
Alle Anwärter verzichten auf Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga
„Reingrätschen und vernünftig präsentieren“ lautet das eigene Ziel vor den Feierlichkeiten in der Sporthalle Ost. Alles probieren heißt die klare Forderung. Immerhin stehen der HSG wieder ein paar Optionen mehr als im letzten mit lediglich zehn Feldspielern bestrittenen Heimspiel zur Verfügung. Auch, weil U19- und U21-Spieler den Kader verstärken werden. Auf der Gegenseite wird dann noch einmal das Kontrastprogramm zum sich wöchentlich wechselnden Konstanzer Aufgebot stehen. Die große Kontinuität führe dazu, dass die Abläufe auch unter Stress funktionieren. „Sie verlieren auch bei Rückstanden nie den Faden, spielen ihr Ding und rufen sehr konstant ihre Leistungen als Kollektiv ab“, lobt Bader und sieht genau darin die größte Stärke des SV Salamander. Besonderen Respekt vor diesen Leistungen zeigt der 45-Jährige, da seit Monaten klar ist, dass der Meister auf eine Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga verzichtet. Bereits zum zweiten Mal. Finanzielle und strukturelle Gründe hatte die Vereinsführung für diese Entscheidung angeführt. Auch unter den nachfolgenden Teams – bis Rang vier wäre ein Nachrücken möglich – fand sich kein Verein, der die Südstaffel in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga vertreten wollte. Auch Heilbronn-Horkheim, Pforzheim/Eutingen, Pfullingen und Ex-Zeitligist Wölfe Würzburg hatten abgewunken.
Reform der 3. Liga?
Für Bader ein auf Dauer nicht hinnehmbarer Zustand, der der Liga schade. Für ihn ein Symptom der Entwicklung der letzten Jahre. „Die Vereine wollen nicht das Risiko eingehen, sich finanziell und strukturell zu übernehmen“, sagt er und hat sich in den letzten Wochen dazu einige Gedanken gemacht. Bader sieht den Zeitpunkt gekommen, dass diese Entwicklung beim DHB angesprochen werden muss. „Mich beschäftigt das“, erklärt er, denn für den ehemaligen Bundesligaspieler zeige sich darin ein grundsätzliches strukturelles Problem. „Aus meiner Sicht“, so der HSG-Coach, „werden wir, wenn keine Veränderungen angestoßen werden, in Zukunft zwei Profiligen und ohne Aufstieg eine geschlossene Gesellschaft bekommen.“ Ein Bild, dem er nichts abgewinnen kann und das allem widerspreche, „was wir in Deutschland haben.“ Er ist überzeugt: Der Leidensdruck müsse weiter steigen, bis ein Umdenken beim DHB einsetzen wird.
Direkter Aufstieg der Meister in die 2. Bundesliga?
Ein entscheidender positiver Faktor wäre für ihn wieder ein direkter Aufstieg der Meister in die 2. Bundesliga, wie er viele Jahre lang garantiert war. So würden die Vereine wieder deutlich früher Planbarkeit erlangen und so auch die Chance, die entsprechenden Grundlagen zu schaffen. „Es macht doch einen Unterschied, ob ich als Tabellenführer mit acht Punkten Vorsprung frühzeitig planen kann“, sagt er. Aktuell müssen die Vereine bis weit in den Juni nach der Meisterschaft noch völlig unplanbare K.o.-Spiele überstehen, in denen die Tagesform und mögliche Verletzungen einen großen Einfluss haben können. Aktuell bleiben im besten Fall mindestens zwei Meister von vier auf der Strecke. Im schlimmsten Fall können sogar alle vier Meister in den Aufstiegsspielen scheitern. Auch die Zweitligisten können in der Mehrzahl anhand der Tabellensituation deutlich früher absehen, in welcher Liga sie in der folgenden Saison antreten werden und so potenziellen Neuzugängen mehr Sicherheit bieten als potenziellen Aufsteigern.
Weiterentwicklung der Vereine
Eine Reform ist für Bader unumgänglich. Der Druck zur Weiterentwicklung müsse daher vom DHB ausgehen, ist der Trainer überzeugt. „Die Vereine müssen den nächsten Schritt vollziehen“, unterstreicht er und meint vor allem wirtschaftliche und strukturelle Themen. Im Moment alles noch Zukunftsmusik, doch alle Alarmglocken sollten längst schrillen nach den Entwicklungen der letzten Jahre, in denen sich kaum mehr Aufsteiger aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga halten konnten. Aktuell belegt Aufsteiger Oppenweiler/Backnang den letzten Platz, ist nach 30 Spieltagen immer noch sieglos und hat erst zwei Remis erspielen können. Der zweite Aufsteiger Krefeld konnte sich erst nach massiver Aufrüstung im Winter inzwischen wieder ins Rennen bringen. Ausgang ungewiss.
Jugend-Bundesliga als Ansporn
So richtet sich der Blick der HSG Konstanz beim Blick in die Zukunft vor allem auf die eigene Jugend und den eigenen Nachwuchs. Nach dem Klassenerhalt der U21 in der Oberliga kämpfen nun aktuell die U19 und U17 um einen Platz in der Bundesliga. „Das wäre für die Jungs stark, sich mit den Besten zu messen“, so Bader, der sich dadurch noch mehr Fokus und Drang jedes Einzelnen verspricht, besser zu werden. „Aber das muss man sich verdienen“, weiß er. „Auch ein knappes Scheitern wäre Auftrag für uns, weiter daran zu arbeiten, dass uns dies künftig regelmäßig gelingt.“ Dies strebe die HSG an und arbeite daran, dass dies möglich wird. „Das ist unser Ansporn“, so der Trainer der Gelb-Blauen.
Quelle: PM HSG Konstanz